Kommentar auf Gästebucheintrag von M. Müller vom 22.01.2004, 17:46 Uhr

München, 22.01.2004

Sie haben schon recht, Verallgemeinerungen sind immer irgendwie ungerecht. Bei der Innenarchitektur wird relativ wenig Gewicht auf Bautechnik gelegt. Da steht ja das Haus schon. Innenarchitektur kann man auch auf der Akademie studieren. Als ich mal bei einem Innenarchitekten gearbeitet habe, kam ich mir fast wie ein Modedesigner vor. Dennoch - schlagen Sie mal Architekturzeitschriften auf - da werden Sie mit vielen kalten, unpersönlichen und sogar aggressiven Designs konfrontiert. Zumindest bei mir kommt da ein Gefühl von Gegensatz zur Natur auf und damit Gegensatz zum Menschen. Schneidet man den Menschen aber von der Natur ab, was die heutige Architektur leider immer öfter zu tun scheint, so bleiben negative Wirkungen auf den menschlichen Körper nicht aus. Haben Sie sich im Studium wirklich mit Fragen beschäftigt, wie Atmung und Raumgröße (Luftvolumen), Schadstoffbelastung und Gesundheit, Raumklima und Körperreaktionen (Körperwärme, Feuchtigkeitsaustausch), Raumform und Energiefluß, Elektrosmog und Körperreaktionen, Erdstrahlen und Krankheiten, biologische Wirkungen von Farben, Lichtspektrum und Wasserqualität , Schimmelpilz durch falsches Lüften und unzureichende Wärmedämmung etc. etc. etc. ?

Ich freue mich über jeden Kollegen, der anders plant als die derzeitige Mehrheit, der sensibel ist für die obigen Fragen und bereit dazuzulernen. Ich weiß auch, daß es Hochschulprofessoren im Fachbereich Architektur gibt oder gegeben hat, die ihren Studenten die Augen öffnen für diese Dinge. Einer von Ihnen ist Eike Hensch, ehemaliger Professor an der FH Hannover. Aber solche Professoren sind leider in der Minderheit. Ausnahmen bestätigen die Regel. Was zählt, sind die Ergebnisse. Das Gros der Neubauten steht leider im Widerspruch zur Natur und berücksichtigt elementare menschliche Bedürfnisse viel zu wenig.

Ich bedanke mich für Ihre Nachricht und werde mich bemühen, nicht allzusehr mit erhobenem Zeigefinger herumzufuchteln. Natürlich sollen sie Erlerntes weiterhin beachten genauso wie die Nebenwirkungen von Designs, die zurzeit "in" sind. Ihre Aufmerksamkeit zeigt mir schon, daß Sie sowieso eher zu den oben erwähnten Ausnahmen zählen.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Robert C. Beis
------------------------------------------------------------
Dipl.-Ing. (FH) Robert C. Beis
Architekt und Baumeister

 
 
   
© 2003 by Architekturbüro Beis, München